...der erste Teil unseres Aufstiegs führte uns hinter Don Chicos hacienda zuerst durch ein Yams-Feld (die Wurzeln werden gekocht gegessen, ähnlich der Kartoffel, aber bei weitem nicht so geschmackvoll), dadurch waren unsere Hosen schon vor dem eigentlichen Aufstieg nass, denn die Yams-Pflanze hat riesige Blätter, in welchen sich das Wasser sammelt....Am Fuß des Bergmassivs angekommen, ging es sehr schnell in einen schmalen Trampelpfad durch den Dschungel über, noch dazu sehr steil. Wir hatten am Morgen beschlossen, den einfacheren Aufstieg für den Anfang zu nehmen (!) und die schwerere Route zum Abstieg! Darüber nachzudenken hatten wir jetzt allerdings weder Zeit noch Geist, denn es ging steil bergauf, sehr rutschig und schmierig, und so mussten wir uns öfter an kleinen Bäumchen und Wurzeln festhalten, um weiter zu kommen. Das birgt auch Gefahren, denn etliche Pflanzen haben nicht unerhebliche Stacheln, es könnten auch gewisse Tierchen d'ran hängen, jedenfalls muss man zusätzlich sehr wachsam sein. Ein ums andere Mal mussten wir "alle Viere" einsetzen um weiter zu kommen, außer Auren (Don Cico's Sohn - unser guía), der mit seiner unglaublichen, jugendlichen Leichtigkeit geradezu katzenhaft nach oben kletterte. Während unserer dringend benötigten Verschnaufpausen erklärte er uns wieder Flora und Fauna. Unter anderem erzählte er uns , dass die Landwirtschaftskommune rund um Penas Blancas gerade dabei ist, die "Sünden" der Vergangenheit wieder zu beseitigen, indem sie gezielt die Bäume wieder aufforsten, die bevorzugt geschlagen wurden und jetzt in Form großer und alter Exemplare fast gar nicht mehr anzutreffen sind. Viele sind seit nunmehr 6 Jahren wieder kräftig am wachsen - und wenn der ursprüngliche Primärwald zwar nachhaltig geschädigt wurde - eine Zukunft für den nachwachsenden Sekundärwald gibt es wieder. Sie scheinen es verstanden zu haben, dass der Wald ein Teil ihrer Zukunft ist!
Nun gut unser beschwerlicher Aufstieg ging weiter, teils an senkrecht abfallenden Felsen entlang, unter uns ging es oft nicht weniger steil hinab, alles jedoch dicht bewachsen - unglaublich wie die Pflanzen auch noch den kleinsten Platz und das geringste Licht für sich nutzen! Teilweise musste ich mit Blitzlicht fotografieren, so gering war der Lichteinfall! Jedenfalls ein wunderschönes Erlebnis - und immer wieder die Blicke ins Tal, wenn sich mal ein kleines Fenster im Urwald fand...
Nach 1 und 3/4 Stunden hatten wir endlich den Bergkamm erreicht, schön durchgeschwitzt und echt geschafft! Eine kurze Rast gegönnt, etwas fotografiert, getrunken und über den heftigen Aufstieg diskutiert (für Leute mit Höhenangst oder mangelnder Kondition nicht zu empfehlen!), dann ging es schon weiter, den Bergkamm entlang - das war jetzt richtig entspanntes "Spazieren gehen"
Wir kletterten hier noch etwas herum und hinauf - denn weiter oben stürzte sich der Wasserfall das erste Mal schon eine kleine Felsstufe herab. Da sah ich direkt an der Kante, an der das Wasser nach unten absackte, einen Kolibri, wie er sich fliegend an den Bruch des Wasserfalls heranmachte, den Schnabel öffnete und sich das Wasser in selbigen spritzen ließ!
Auf den letzten Metern haben wir dann diskutiert, wo wir unser wohlverdientes Bierchen nach diesem anstrengenden sendero herbekommen, und wer mit dem Mountain-bike oder dem caballo zur pulperia geht um eines zu besorgen, als uns der Presidente dieser Comunidad begegnete und nach einem lockeren Schwätzchen uns in seinen Jeep verfrachtete, zu sich nach Hause einlud, seinen Sohn Bier holen schickte und uns so einen lockeren Ausgang dieses Tags bescherte. Der Höhepunkt war dann gekommen, als Don Donaldo nach ein paar Schluck cerveza die Gitarre auspackte und uns ein halbstündiges Konzert gab, mit Liedern voller Kraft und Wehmut über die Revolution und schmachtenden Liebesliedern!
Am nächsten Tag stand ein Spaziergang zum Wasserfall auf dem Programm - diesmal von unten! Spaziergang allein schon deshalb, da die 2 Stunden Weg zum Wasserfall gegenüber der Wanderung vom Vortag (6-7Stunden) keine andere Bezeichnung zulassen. Ein wiederum von der Gemeinde gepflegter Weg führte durch lichten Wald leicht bergauf, erneut viele schöne Blüten und Pflanzen. Nach ca. einer Std. kamen wir an einem Felsvorsprung an, von dem ein Geflecht aus Moosen und Flechten hing und so ein natürliches Zelt bildete. Auren erzählte uns, dass während des Bürgerkriegs die Revolutionäre hier ein Lager hatten, da sie hier vor Regen geschützt waren und vor den Häschern Somozas. Beim genaueren Inspizieren des geschützten Platzes rief uns Auren aufgeregt zu sich: da! ...frische Jaguarspuren von heute morgen! Erneut befanden wir uns auf den Spuren des Jaguars!
Zurück in der Unterkunft gönnten wir uns erneut eine megakalte Bergwasserdusche (die ist wirklich nur nach einer Wanderung zu ertragen) und packten dann für die Rückfahrt nach Matagalpa. Der Abschied von allen war sehr herzlich und - es sind keine leeren Worte - wir kommen bestimmt wieder!
bis bald, Fortsetzung folgt...
saludos, arambigua


